Spiegelvirus

Berlin, April 5, 2020 | #China #DearVirus #Spiegel

SPIEGEL-Leser würde ich nach der Lektüre auch erstmal 14 Tage in Quarantäne schicken, damit sie diese virale biopolitische Hysterie nicht auch noch weiterverbreiten. Erscheinungsweise der Publikation dann bis auf weiteres zweiwöchentlich.

Nein, der Virus ist nicht "Made in China". Nein, er infiziert nicht "unsere Wirtschaft". Ja, das sind bloss Metaphern. Bloss eben rassistische und neoliberale. Und denen, die einen Virus benötigen, um zu begreifen, dass "unser" Wirtschaftssystem seit Jahrhunderten ein Synonym für Genozid ist, tut das Ding, sofern sie persönlich von ihm verschont bleiben, vielleicht mal ganz gut.

Und nein, eine neue Erkenntnis ist das nicht. Wichsvorlage für Leute, die China für das Land der gefräßigen Drachen und verführerischen Prinzessinnen halten, war der SPIEGEL schon immer - bloss die Angst, sich beim Kontakt was einzufangen, ist dazugekommen. Und nicht nur im SPIEGEL, by the way: "Man kommt nach China mit tausend dringenden Fragen: Welche Form hat die weibliche Sexualität dort angenommen, welche die Moral? Wir schütteln den Baum der Erkenntnis, von dem die Antwort fallen möge... doch nichts fällt." (Roland Barthes in Le Monde vom 24. Mai 1974)

 

Update, 18. April:

Nicht nur der religiösen Motive wegen - was kommt nach "Glaube, Liebe, Tapferkeit"? - erscheint einem der SPIEGEL derzeit gefährlich fremd.

Die Titelstory heute morgen auf SPIEGEL Online - kürzlich umbenannt in DER SPIEGEL - geht nämlich so:

Da mag man sich lieber nicht vorstellen, wovon Regierung oder Redaktion intern sprächen, behauptete ein Ausländer - sagen wir mal eine serbische Historikerin, aber ein österreichischer Schriftsteller täte es zur Not auch: "Deutschland nutzt den Holocaust, um sich international mit Militäreinsätzen zu profilieren." (Der Holocaust ist natürlich nie ein guter Vergleich, auch hier nicht, denn der ist ja tatsächlich Made in Germany.)

Der Chinese hat also echt die Chuzpe gehabt, die Corona-Leugnung in BILD als "infam" und den Rassismus im SPIEGEL als "unangemessen" zu kritisieren? Und letzteres auch noch indirekt in einem obskuren deutschen Tageszeitungsfanzine? Besorgniserregend empfindlich ist er mal wieder, der Chinese.

Was will der SPIEGEL? Was kommt nach "Glaube, Liebe, Tapferkeit"? Krieg.

Niemand will den Chinesen vergasen natürlich, Gott bewahre! Es soll ein humaner Handelskrieg werden, in dem wir dem Chinesen mal zeigen, wie man eine U-Bahn baut und ein Krankenhaus und einen Grossflughafen und eine bezahlbare Wohnung und eine Magnetschwebebahn. Und wenn der Chinese hier mit seiner Highspeed-Seidenstrasse ankommt, die gleiche Rattenlinie entlang, auf der Europa einst der Schwarze Tod ereilte, dann werden wir ihm die Deutsche Bahn mutig und fahrplanmässig entgegenstellen. Und den 5G-Spionen von Huawei die Aluhüte von der Deutschen Telekom! Er wird sich noch wundern, dieser Chinese. Wenn deutsche Besorgnis in Tugend umschlägt, dann ist in China nämlich Schluss mit empfindlich.

Weshalb in den unteren Etagen des Ausländerressorts - hier Tobias "in der Krise sind wir immer ziemlich gut" Rapp, aber könnte auch jeder andere sein - bereits das Freiberuflerdenunzieren und Weltführerschaftfeiern eingeübt und in den Kommentaren auch schon mal ein Argument für Euthanasie getestet wird. Denn um dem Chinesen in Sachen Corona Ravioli zu bieten, ist Gehässigkeit notwendig, Meckern verboten, und was uns nicht umbringt, macht uns frohere Ostern.

P.S.: Meanwhile, am anderen Ende der Arischen Rasse: