
Der Faschismus betreibt (wie schon Walter Benjamin festgestellt hat) die Ästhetisierung der Politik. Im Falle des amerikanischen Faschismus heisst das, dass er sich von sämtlichen ästhetischen Kriterien, mittels derer sich der "gute Geschmack" des bürgerlichen Establishments konstituiert, zu befreien versucht – nicht als eine Übertretung, in der noch ein Wagnis läge, sondern als die permanente habituelle Unterschreitung der ästhetischen Mindeststandards. Deshalb ist dem amerikanischen Faschismus mit Memes so schwer beizukommen. Von Pepe bis zur Putinstute: all diese Bilder illustrieren ihn nur, bewerben seine Protagonisten, statt sie zu beleidigen, und betreiben im schlimmsten Fall selbst faschistische Propaganda und Heiligenmalerei.
Wer nach Bildern gegen den Faschismus sucht (also nach Benjamins Antwort: einer Politisierung der Kunst), sollte zunächst einmal zu verstehen versuchen, warum Boris Johnson, Geert Wilders, Javier Milei und Donald Trump so komische Haare haben.(1)
(1) Hitlers visuelles Alleinstellungsmerkmal, das komische Bärtchen, lässt sich ja noch recht einfach herleiten: das ist ein gekappter wilhelminischer Schnurrbart, zu einer Soldatenscharte gestutzt, die unter die Gasmaske passt. Die Frisuren von Johnson, Wilders, Milei und Trump sehen vor allem dämlich aus, das passt in das Bild von der ästhetischen Deregulierung. Zugleich geht es um volle Haarpracht als Zeichen von Virilität: Angst vor dem Haarverlust, aber eben auch Ausdruck des Fortplanzungswillens der Weissen Rasse, noch bis ins hohe Alter. Trump ist allerdings speziell, und vielleicht tatsächlich sowas wie postmodern, weil er ja grösstenteils "echtes" Haar so trägt, dass es aussieht wie ein Toupet. Vances Eyeliner hat einen ähnlichen Effekt. Das "Dämliche" ist zugleich eine Feminisierung, als dränge im Machtrausch die Homophobie aus ihrem closet. Ihn – wie in den derzeit populären Memes – zu einer fetten Vollbartmama mit Afro zu machen, tut ihm nicht weh, sondern denkt das bloss weiter.
Und Faschos mit Fash-Hairstyle (Richard Spencer, Martin Sellner, Elon Musk) machen sich ganz offensichtlich als Opportunisten kenntlich.