1. Mai: Tag der Polizei

Berlin, May 2, 2017 | #Berlin #NotMyFest #Polizeifest

Nach 30 Jahren Revolution am 1. Mai steht im kommenden Jahr gleich das nächste Jubiläum bevor: 15 Jahre MyFest. Da wird es viel zu feiern geben, denn von den zahlreichen Aufstandsbekämpfungsmaßnahmen, die seit den 80er Jahren im Stadtlabor Kreuzberg getestet worden sind, bleibt das MyFest die erfolgreichste, weil perfideste. Das als "Deeskalationskonzept" gerühmte Belagerungsregime der Berliner Polizei kommt mittlerweile ohne Wasserwerfer aus: gilt es doch, einen ganzen Bezirk von 10 Uhr morgens an in Bierlachen und Touristenpisse versinken zu lassen, wohlwissend, dass ein Teil der Bewohner es sich schlicht nicht leisten kann, die Gelegenheit, so viele Besucher abzufüllen, ungenutzt verstreichen zu lassen. Dazu werden die U-Bahnhöfe geschlossen, die Geldautomaten vernagelt, das Telefonnetz bricht zusammen, wer Zigaretten oder Trinkwasser benötigt, muss lange anstehen oder ziemlich weit laufen, und dank flächendeckender Polizeiabsperrungen bildet sich schon ab mittags ein Gedränge, als wünschte sich der Innensenator die Love Parade zurück. Ganze Straßenzüge werden zu "Rettungswegen" erklärt, öffentliche Plätze zu "Opferanlaufstellen" umfunktioniert, und drei "Sperrkreise" - gelb, rot, blau - halten Lastwagenattentäter auf Distanz. Innerhalb der Festung Kreuzberg aber herrscht für einen Tag lang Toleranz: Jeder, der noch in der Lage ist, seine Hose zu öffnen und in einen Hauseingang zu zielen, ist herzlich willkommen. Tags darauf überbieten sich die Berliner Zeitungen mit Märchenerzählungen von einem bunten Familienfest, von dem die Gleichnamige sogar behauptet, es habe in diesem Jahr "bei angenehmem Frühlingswetter" stattgefunden. Diese Lüge haben sie sich bei Trump abgeschaut: Niemand soll für blosse Dummheit halten, was in Wirklichkeit blanke Verachtung ist.